Pilzstellen in unbekannten Gebieten finden

Zugegeben, es ist nicht gerade die feine Art, in fremden Pilz-Revieren zu jagen. Aber so habe ich es nun mal gemacht und keiner hat’s gemerkt und ich hatte Erfolg.

Die Methode funktioniert so: Wenn es Pilzzeit ist, dann fährt man in der fremden Gegend auf Straßen entlang, die durch Wälder führen. Man fährt etwas langsamer, damit man aufmerksam die beiden Straßenseiten beobachten kann. Wenn irgendwo ein oder mehrere Autos mit heimischem Kennzeichen abgestellt sind, meist an Waldeinfahrten, dann stellt man seinen Wagen dazu. Man geht dann ruhig und unauffällig in diesen Wald.

Meist hört man dann schon bald die Stimmen oder die Geräusche der Sammler oder findet die Schnittstellen. Man bleibt ruhig und geht hinter den Sammlern her, betrachtet sich Schnittstellen und Putzreste. Meist wird nämlich nach meiner Erfahrung im norddeutschen Raum eher geschnitten als heraus gedreht, so dass Schnittstellen zu sehen sind. Wenn man die Schnitt- und Putzstellen hat, hat man auch die Pilzstellen für längere Zeit. Mindestens ein paar Jahre bleiben die Pilzstellen erhalten, es sei denn, der Harvester macht die Myzele und die Infrastruktur kaputt, die die empfindlichen Pilze nun einmal brauchen. Myzele sind übrigens die unterirdischen Teile der Pilze.

Zwei hervorragende Steinpilzstellen in einer neuen Gegend habe ich erhalten, indem ich etwas abseits von einer Stelle im Wald hielt, wo drei Fahrräder am Baum lehnten. Kaum hatte ich meinen Wagen abgestellt, hörte ich schon das laute Rufen und Juchzen von zwei Kindern, die ihrer Mutter in erheblicher Lautstärke die Prachtfunde aus weiter Entfernung zuriefen. Ich verhielt mich still, wartete bis die Familie davon war und ging in den Wald. Mein Gott, wie viele Steinpilze hatten sie stehen gelassen.

Dann hielt ich später noch an einer anderen Stelle, wo ein Auto mit heimischem Kennzeichen abgestellt war. Auch hier machte ich mich ruhig auf den Weg in den Wald. Schon bald hörte ich eine Frau rufen: „Du, Erwin hast Du noch Platz in Deinem Korb?“. Erwin antwortete: „Nein, meiner ist auch voll. Lass uns jetzt erst gehen, wir können ja morgen noch mal wiederkommen.“ Auch hier ließ ich mir Zeit und ging dann hinterher. Sie hatten Steinpilze geschnitten und gleich verputzt. Auch hier fand ich noch gut Steinpilze.

Es ist nämlich nicht möglich, alle am Ort stehenden Pilze wirklich zu finden. Je nach Lichteinstrahlung und Blickwinkel übersieht auch ein guter Pilzsammler immer einige Pilze. Weswegen habe ich mir angewöhnt habe, mich bei einer guten Pilzstelle noch mal umzudrehen und von der anderen Seite die Stelle noch einmal anzugehen. Mit Erfolg.

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